URWALD IM HERBST…

URWALD SABABURG REINHARDSWALD…

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was sind das für zeiten,wo ein gespräch über bäume fast ein verbrechen ist, weil es ein schweigen über so viele untaten einschliesst.

bertold brecht

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das wunderbare herbsterleben im urwald kann ich kaum beschreiben – ich kann nicht vermitteln, wie der duft der erlen mich umschwelgt, wie er in mich hineinkriecht, so dass ich ihn nie mehr vergessen werde. der üppige blätterteppich unter meinen füßen – zum hineinwerfen schön. hineinwerfen möchte ich mich – ganz blatt – ganz baum werden. als ich mich bücke, um pilze zu fotografieren, passiert es: ich kippe nach hinten um und kullere wie ein äpfelchen durchs laub. das aufstehen ist etwas beschwerlich, so über die seite abrollen, aber es zählt zu den unvergesslichen ereignissen des tages. und es passiert mir gleich noch einige male. dazu sind die blätter ausgelegt – denke ich – fallen können ohne schrammen.
erlen, eichen, buchen – die bäume sind nie stolzer und recken sich in den himmel. die erlen sind großzügig mit ihren blattabwürfen, eichen zögern eher und die buchen, naja, die liegen so dazwischen.

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ich atme tief ein, dass mir fast die lunge platzt – so gierig bin ich nach dem becircenden duft. alles atmet aus und ich atme ein…
zum schluß noch ein apfelbäumchen – eher in richtung baum – das verzweifelt seine sämtlichen äpfelchen abgeworfen hat, damit endlich ruhe einkehren kann. die äpfelchen sind süß und saftig. einen ausgefallenen urwaldapfelgelee würde es geben. doch ich überlasse sie dann doch dem urwald und seinen bewohnern. die wildschweine sind rege – tagsüber verkriechen sie sich im unterholz. sie bevorzugen die ungekochten früchte.
ein urwaldtag – unvergleichlich schön – auch die sonne, die sich leicht zurückhält, spielt mit – bestes fotolicht. ich fotografiere wild drauf los – die ganze herbstschönheit des waldes möchte ich einfangen – reserven für den winter.

ES IST EINE ALTE GESCHICHTE…

ES IST EINE ALTE GESCHICHTE…
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Es ist eine alte Geschichte,
Doch bleibt sie immer neu;
Und wem sie just passieret,
Dem bricht das Herz entzwei.

heinrich heine

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amour
diese beiden – ja was denn – gestalten – ihnen fehlen hand und fuß. sie symbolisieren für mich die totale liebe – eine zärtliche dazu – zärtlich, wie ich sie heute nicht mehr finden kann. sie steckt in meinen erinnerungen fest.
mir fallen dazu moderne filme ein, in denen liebe ist wie auffressen, wie verschlingen, wie vereinnahmen. von zärtlichkeit nicht die geringste spur und ich denke, was kommt nach dem gegenseitigen auffressen

hiroshima mon amour… der film von 1959 fällt mir ein. ich war 20 und tief ergriffen.

ich schaue die werke mit liebenden augen an. die lippen, die herzen, die penisse und das viele sperma – metamorphosen – erklärungen – deutung… und immer wieder liebe in den verschiedensten farben und formen. es wächst aus einem blumentopf heraus – das herz. ein durch liebe befruchtetes – es gebiert zwei kleine herzen. zwei eingesperrte in einem käfig, damit sie nicht entfleuche – die liebe.

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in ketten gelegt auch – zwei penisse, die zu einem herz verschmelzen. der konflikt – liebe und penis…

philip fragt mich, ob mir die vielen penisse nicht die scham ins gesicht trieben. die scham sei doch in meinen früheren jahren sicher thema gewesen.
war es nicht wirklich. ich erzähle ihm meine eigene geschichte – meine erfahrungen mit scham.
und heute und hier.
ich überlege – nein, weder scham noch peinlichkeit. sie sind ja in ihrer ART schon metamorphisiert  umgestaltet und nicht aktuell mir gegenüber – aber auch dann – nein, nein….
auf jeden fall sind sie gegenstand von diskussionen.

die menschen machen die ausstellung interessant – die gespräche.
die geschichte ist eine lange – von hiroshima bis herher. diese atombombenabwürfe mit  den 32 kilometer hohen atompilzen kriege ich nicht aus meinem kopf. ich war damals sechs jahre. und erst viel später – 15 jahre später – hatte uns dieses monster noch immer im griff. da fragten wir uns, ob nach hiroshima kinderkriegen noch angesagt sei.
noch heute macht es mich unruhig durch die ausstellung zu gehen. der spuk ist nicht vorbei denke ich. er wird nie vorbei sein, solange menschen…
und ich antworte mit TETSUMI KUDO:
Geprägt von den  Atombombenabwürfen über Hiroshima und
Nagasaki erwägt Kudo eine radikale, posthumane Konsequenz: Eine impotente Menschheit wäre frei vom unbedingten Streben nach Fortbestand der Spezies und würde so eine Neuordnung der vorherrschenden Kategorien zuallererst möglich
machen.

WIRBEL IST IMMER…

so du ihn machst…

NICHTBILDER
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sie sind unberechenbar – sie sind  – um mich herum – ich sehe sie nicht und muss sie doch finden – die NICHTBILDER. sie sind immer da – sind lebendig oder schlafen – machen geräuschlos viel lärm.
die sehanstrengung ist enorm. ich halte die luft an damit sie meine absicht nicht erkennen.
sobald sie von mir notiz nehmen drehe ich mich ab und tue so als meinte ich sie gar nicht.
es ist ein spiel – ein spiel mit farben formen und reflexen. die reflexten liebe ich besonders. das merken sie. deshalb blinseln sie mir zu. sie glauben nicht an verwendung – ich kann sie ja nicht kaufen obwohl sie hier ausgestellt sind die dinge. aber ich mag ja nur ihre reflektierten bildwürfe. wir verstehen uns.
sobald das wetter draussen eklig ist – und das ist es ja selten für mich – komme ich an diesen warmen ort und fange an zu wirbeln…

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ART ZU FINDEN…

JÜDISCHER FRIEDHOF KASSEL…

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meine augen tanzen – im regenlicht – im lichtregen – und dann im sonnenschein – zwischen den steinen – die steine schmunzeln – sie blinzeln mir zu – foppen – mal sitzt ein scheinchen auf der kante – winkt und ist auch schon wieder weg – mal sitzt eines auf dem gipfel – bleibt etwas länger.
dieses ausnehmende gucken macht ganz kirre – wie besoffen – mir schwindelt. die gefühle sind irritiert – sie machen mit – finden es aufreizend und amüsant. ich berühige sie mit normalen bildern zwischendrin.

JÜD. FRIEDHOF KS MAL ANDERS_III_06.11 JÜD. FRIEDHOF KS MAL ANDERS_IV_06.111 JÜD. FRIEDHOF KS MAL ANDERS_V_06.112 JÜD. FRIEDHOF KS MAL ANDERS_VI_06.113

eine heimelich anmutende szenerie zwischen den steinen im regensonnenlicht.

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NATURHOLZWUNDER…

AUE_HOLZ MACHT KUNST_FLEDERMAUS_VII_P1570737was ist wo und was ist was – finden – schauen – da ist alles – nichts ist da. ja was denn nun – wenn etwas zum wunder werden soll, mußt du es finden. offenenauges schlure ich durchs herbstlaub – das so bunte und vielfarbige – schlunze vom nordtor bis zum großen bassin – mache ein foto nach dem anderen – so schön ist die welt im herbst – und lande – über thomaseiche und baumhasel im ablageplatz der mhk.
das ist froppevoll mit pflanzenabfall jeglicher art und einem berg zersplitterten holzstämmen. der erlangt meine aufmerksamkeit.

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das viertel eines stammes steht allein und aufrecht im weg. kunst – denke ich –  die offene fläche ins schwarze fallend mit nuancen von hell bis dunkel. absichtslos. es verleitet mich dazu, die schnittflächen des holzabfallhaufens genauer zu betrachten.

AUE_HOLZ MACHT KUNST_ II_03.111 AUE_HOLZ MACHT KUNST_ III_03.112 AUE_HOLZ MACHT KUNST_FROSCHFRAU AUF THRON_V_KOMPO II_03.114 AUE_HOLZ MACHT KUNST_KOMPO_VI_03.115

sie werden – mir zur freude – ebenfalls mit kunstblick betrachtet – kunst – die nichtgemachte – wie nur natur es verbirgt.

AUE_HOLZ MACHT KUNST_I_FLEDERMAUS_03.11menschen haben den bäumen die schläge beigebracht – es war nicht einmal ein schlagabtausch. bäume schlagen zwar aus – im besten alter – aber sie schlagen nicht auf menschen los. die maßen sich an, die lebenszeit eines baumes zu bestimmen – machen ihn dann nieder – alles zur sicherheit der menschen – versteht sich – als ob sie so wehrlos wären – die menschen – und wenn schon…
zuhause bewegen mich die wunderbilder noch immer – ich schiebe sie herum – ordne sie mit- und untereinander – finde namen und entdecke schließlich die froschfrau auf ihrem thron. na sowas… das höchstmaß der synergie ist erreicht, was kunstmacher sicher nicht verstehen können – die ist ja auch natürlich – nicht gemacht. also – auf den zufall – auf das finden – auf das allerwichtigste auf der welt die natur…

EINMAL UM DIE INSEL…

SIEBENBERGEN ist eine insel – eine kleine – mit exotischen pflanzen und bäumen. von mai bis oktober kann man sie betreten – gegen entgeld versteht sich. doch von oktober bis mai ist sie zugesperrt. warum, ist mir völlig unklar. die bäume und planzen im herbst- und wintermodus wären eine schau für sich.

DRUMHERUM_I_INSEL SIEBENBERGEN_AUE_02.111 also gehe ich aussenherum – schleichweg – sozusagen. die inselherbstbäume aus diesem abstand zu sehen ist besonders. ich kann sie ja ein bisschen heranzoomen… den weg, der keiner ist, gehe ich zum erstenmal. immer mal wieder sah ich menschen dort von der insel aus. und nun sehe ich, dass da gar kein weg ist – wie eine streuobstwiese – nur, dass da keine obstbäume stehen, sondern wunderbare birken – weiden – ahörner – und einige mehr.DRUMHERUM_III_INSEL SIEBENBERGEN_AUE_02.113

DRUMHERUM_IV_BRÜCKE_INSEL SIEBENBERGEN_AUE_02.114ungefähr kann ich mir denken, wo ich da rauskomme – an der weißen brücke, die so schmutzig ist, dass sie schon nicht mehr weiß ist. ich überquere sie, um meine inselrunde zu vervollkommnen.
AUEGEIST_DRUMHERUM_INSEL SIEBENBERGEN_AUE_02.11und wie sollte es anders sein, in der aue ist man niemals alleine. ich werde beobachtet.
an einem dicken baumstamm schaut sie heraus wie aus einem fenster – die baumjule.
eindrucksvoll wie sie da so klebt und alles beobachtet. lange geschichten müßte sie erzählen können, wenn, ja wenn….

DRUMHERUM_INSEL SIEBENBERGEN_LICHT_P1570462

DRUMHERUM_V_HINTER_INSEL SIEBENBERGEN_AUE_02.116plötzlich verändert sich das licht wie auf einer bühne. in der ferne dunkle wolken, oder besser gesagt, eine dunkle regenwand. und ehe sie ganz heranzieht, verändert sich das licht, wie man es selten nur zu sehen bekommt. das sind die momente, die mich beglücken und wo ich denke, dass ich vielmehr bei doppeldeutigem wetter draußen sein müßte. ein schauspiel seltener art und sondergleichen.
DRUMHERUM_IVI_VOR DER INSEL_NSEL SIEBENBERGEN_AUE_02.118 DRUMHERUM_VI_HÄNGEBUCHE_INSEL SIEBENBERGEN_AUE_02.117
die parkarbeiter räumen die bänke weg – und – zum schluß meiner runde will ich mich niederlassen auf einer bank, die gestern noch da stand. was diese parkarbeiter für ein verhältnis haben zu den menschen in dem park. alte menschen müssen auch im winter eine möglichkeit zum draufsitzen haben. sie gehen ihre runden sommers wie winters.
und bänke, die dem winter standhalten, gibt es doch. falls sie ein bißchen teurer sind als die grüngestrichenen, die immer abgebaut und nachgebessert werden müssen, blieben doch die mühen des ab- und wiederaufbauens und die kosten dafür erspart. achso, das sind arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, sorry, wie so vieles andere im park. ich wette, der rasen wird nochmal gemäht.

DRUMHERUM_II_BÄUME_INSEL SIEBENBERGEN_AUE_02.112 DRUMHERUM_V_BLÄTTER UND PILZE_INSEL SIEBENBERGEN_AUE_02.115

mein rundgang war besonders, weil erstmalig, und der bunte herbst hat mir viele bunte bunte bilder geschenkt. anna sagt, das ist jetzt das ende mit bunt, und ich denke – nicht ganz – danach kommt auch noch was…

DIE PRACHT DER BÄUME…

KARLSAUE

AUE_MÄDCHEN VOR TRAUERBUCHE UND BRÜCKE_P1570321

DIE PRACHT DER BÄUME
da ich die grüne pracht der bäume zärtlich liebe
und folglich mich anjetzt im herbst bei ihrem fall,
bei der entblätterung der wipfel überall
und der vernichtung des laubes recht betrübe,
so deucht mir doch, ob hör ich sie im fallen
zu meinem troste dies mit sanftem lispeln lallen:
„du siehst uns von dem geliebten baum
nicht, um denselben zu entkleiden,
noch um ihn nackt und bloß zu lassen, scheiden;
ach nein, wir machen frisch und schönern blättern raum.“

barthold hinrich brockes (1680 – 1747)

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AUE_TEICH_I_01.011scharlach eiche

AUE_TEICH_III_31.101kaukasische flügelnuß

AUE_TEICH_KAUKASISCHE FLÜGELNUSS_31.102
am baumalphabet
das leben lernen
den fragen
eine richtung geben
die antworten finden
mal mehr
mal weniger

rosadora

VÖGEL DES GLÜCKS…

KRANICHE ÜBER DER AUE…

KRANICHE_AUE_P1570161sie holen den frühling zurück. schon vor wochen sah ich die ersten sehr eifrigen. die hörte ich mehr als dass ich sie sah. sie holen den frühling obwohl ich den herbst mindestens ebenso schön finde. ihr rufen berührt mich immer sehr und ich denke an die weiten strecken die sie zurücklegen und mir ist völlig unklar wie sie das hinkriegen. soviel anstrengung – unvorstellbar…

 

NOCH VOM SELBEN TAG…

LOLITA FASHION FRAUEN…

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große überraschung die gruppe der jungen frauen in lolita fashion auf der schloßtreppe. ich darf fotografieren. ich frage nach dem hintergrund – keine kostümierung versichern sie mir und a. schreibt es auf einen zettel auf meinem rücken sorgfältig auf damit ich es im internet nachlesen kann. und dass es ein modestil sei angelehnt an einen viktorianische stil (rokoko).
s. wikipedia:
Lolita-Mode (jap. ロリータ・ファッション, RorÄ«ta Fasshon, von engl. Lolita fashion) ist ein aus Japan stammender Modestil, der auf dem viktorianischen Stil sowie Kleidung aus dem Rokoko basiert, sich aber weit über diese zwei weiterentwickelt hat.[1]
s. sagt dass sie die kleider nicht nur heute trägt sondern ständig. die wippenden röcke mit fantasievollen mustern sehen auch irgendwie puppig aus. sie kommen daher wie aus einem anderen jahrhundert. in diesem jahrhundert ist einfach alles möglich. sie beweisen mut und eigensinn obwohl angelehnt und diktiert von  – ja von wem eigentlich…