ZWEI DINGE…

CHINADACH_AUE_P1600408
durch so viel formen geschritten,
durch ich und wir und du,
doch alles blieb erlitten
durch die ewige frage: wozu?

das ist eine kinderfrage.
dir wurde erst spät bewußt,
es gibt nur eines: ertrage
– ob sinn, ob sucht, ob sage –
dein fernbestimmtes: du mußt.

ob rosen, ob schnee, ob meere,
was alles erblühte, verblich,
es gibt nur zwei dinge: die leere
und das gezeichnete ich.

gottfried benn

EINE MELODIE…

„es sind die pausen, die unserem leben den rhythmus geben und eine melodie daraus machen!“
ROSA_ELFBUCHEN 26_bearbeitet-2diese anregung erhielt ich heute früh vom naturheilzentrum bottrop. die rundschreiben erhalte ich seit vielen jahren, da wollte ich hilfe für meinen fastblinden vater. der ist schon seit fast 15 jahren tot.

an ALICE SOMMER – HERZ – konzertpianistin – die 110 jahre alt wurde und die älteste theresienstadtüberlebende war möchte ich heute erinnern. im naturheilzentrum rundbrief wird sie erwähnt und ALTWERDEN erhält eine besondere bedeutung. mit 110 spielte sie noch prachtvoll klavier und tauchte damit ab in eine welt, die sie die normale welt und das, was sie erlebt hat, vergessen ließ. für sie war leben ein besonderes und ein schönes, wie sie betont und ein lebenswertes – tag für tag.

F R E M D E …

 

ROSADORA VERDECKT_alt_600_IMG_20160215_0001_bearbeitet-1gerade in den begegnugen wird uns das fremde macht uns zu fremden sind wir rücksichtsvoll hinterfragen wir das eigene ist nicht das eigene auch das fremde lieben wir unsere gewohnheiten mehr kann ich nicht sagen wir doch den anderen dass wir haben ein haus und ein land und eine heimat ist niemals eine heimat ist niemals  sind wir heimisch am eigenen herd fressen uns die sorgen verfliegen erst in der fremde lassen sie uns in ruhe sterben können wir das denn in der fremde werden wir können die heimat nicht sehen wir uns das übrige an der donau liegt schon das fremde ist in uns legen wir unsere ängste zugrunde gehen wir an der heimat die keine ist der niemand denn auch jemand der uns kennt kann nicht fremd sind wir uns selbst am nächsten…

text und bild alt

 

 

TRÄUMEN…

27-DSC_8322verwaschen nur zeigen sie sich mir am morgen hat es die überlegungen helfen auch nicht weiter schlimm ist es dass den bildern die kraft für den tag sammelt sich in den ästen der bäume haben die vögel einen tagtraum zu fangen gelingt in den seltensten fällen werden sie von den tagesereignissen taugt keines zum träumen braucht es ganz anders verlaufen die stunden in den  betäubungen nur kannst du ertragen wir das helle licht wirft lange schatten haben sich zwischen die häuser verfallen in die melancholie täuscht sich tagträumend durch die stunden des frühlingserwachens gehen wir traumverloren werden wir niedergeworfen von den blumen lassen wir uns einen hochtrabenden gesichtsverlust ist an der tagesordnung schwirren uns die mücken haben auch keinen leichteren einflug in die start- und landerampe werden den passagieren schon noch verfliegt sich der mittag ist blendend dazu geeignet in den lüften sind nun unsere tagträume vor ort nimmt man gerne den beweis liefern die vielen schafe haben den heutigen tag zu einem tagtraum verspielen sich die gedanken…

älterer text

URWALDHEXE IM REINHARDSWALD…

wie die urwaldhexe zum PLATZHIRSCH wird – dem gehe ich auf die spur und werde es doch nie ganz erfassen.

HEXE ZUM STIER_REINHARDSWALD_II_P1600308vor jahren war sie für mich die urwaldhexe in meinem buch. und jedesmal, wenn ich in den urwald fuhr, bat ich sie um einlass, obgleich sie mir sagte, dass sie dafür nicht zuständig sei, es nicht in ihrer macht läge – so drückte sie es aus. es war mir ein bedürfnis, sie um einlass zu bitten – also, so ein stilles verneigen, um zu zeigen, dass es mir keine selbstverständlichkeit ist, einfach so in den urwald zu stolpern.

HEXE REINHARDSWALD_3X_IV__05.129 HEXE_REINHARDSWALD_VI__05.1211in all den jahren hat sie sich ganz in sich zurückgezogen, aber ich weiß, dass sie dennoch da ist. treu habe ich sie immer besucht und zusehen müssen, wie sie immer weniger wurde. aber das ist ja nur die äußere gestalt – das wesen bleibt mir in erinnerung.
an ihrer stelle hat sich jetzt ein platzhirsch breit gemascht. ein stück resthexe trägt er in seinem maul. ich mache mir gedanken, ob es fürsorge ist und er sie auf ihrem restweg beschützen will, oder ob er sie verschlucken wird.

HEXE REINHARDSWALD_VERSCHIEDENE_VI_05.1212HEXE_REINHARDSWALD_ I_P1600301ich verneige mich weiterhin und gebe der hexe die ehre.
so in weiß gekleidet ist es auch ein zwiespalt – ein hochzeitskleid – oder ein totengewand. es verkörpert beides – leben und sterben.
HEXENBAUM 2009 HEXENBAUM_II_2009_P1130518_bearbeitet-1

U R W A L D II …

WALDWESENSUCHE…   fortsetzung von gestern

URWALD OHNE RAUREIF_WESEN IM VORD. WALD_05.126meine energie ist eigentlich fast am ende, doch der wilde wald lockt so sehr, so sehr lockt er, dass ich mich geschlagen gebe. also noch einen kleinen gang ins holz. ich gehe auf urwaldwesenfang. ich steige über stämme und durch büsche und auch hier am boden raureif, der alles verändert und der hinterlistige adlerfarn, abgeknickt und fallenstellend. ich passe auf wie verrückt, stütze mich manchmal auf einen ast oder hangele an einem zweig.

URWALD OHNE RAUREIF_WESEN IM VORD. WALD_II__05.128 URWALD_ WESEN IM VORD. WALD_II_P1600255

so viele wesen hatte ich nicht erwartet, und sie sind hier, in so ganz anderer gegend, auch so ganz anders in ihrer gestalt und ihrem aussehen. dass ich dann irgendwann falle, ist schon vorprogrammiert, bei einem solch leichtsinnigen unterfangen. ich rutsche, falle, rolle und stehe wieder auf. na bitte.
URWALD OHNE RAUREIF_KÖNIGIN MIT HUND_P1600265KÖNIGIN ADOLESSE mit HUND PINKY  – ausgesucht für das neue urwaldwesenbuch

eine königin zu finden mit ihrem hund – das übertrifft fast – fast – alles bisher dagewesene.
andere lustige vögel und welche, die ich mir nachträglich noch selbst erklären muß, gehen in meine chronik ein. das ein oder andere fällt auch wieder heraus, weil es schier zahllos würde – aber vielleicht sollte es das ja auch…

KEIN RAUREIF IM URWALD I …

URWALD SABABURG REINHARDSWALD
MEIN BAUM…
URWALD OHNE RAUREIF_MEIN BAUM_05.127nach einer enttäuschung muß ich mich erst wieder fangen – kein raureif im urwald. und was nun. abschalten – umschalten – ich gehe erstmal zu meinem baum – irgendwann wird er mal ganz in sich zusammengefallen sein. jetzt aber schaut er aus, wie der bewacher dieser adlerfarn-lichtung.

URWALD_MEIN BAUM ALS BESCHÜTZERIN_P1600100ein teppich aus adlerfarn, nicht ganz ungefährlich mit den abgeknickten stengeln, wie schlingen. doch irgendwer oder -was muß hier schleichwege anlegen. wildschweine. hier ist wildschweingegend, wie eigentlich überall im reinhardswald. das erleichtert es mir, bis hin zu meinem auserwählten zu kommen.
langsam schreite ich und hocherhobenen beines durch den farnwald, schaue und schaue mal wieder ganz neu. hier und nahe am boden raureif, der verändert und verzaubert.

URWALD OHNE RAUREIF_HOHE WESEN_05.123 URWALD OHNE RAUREIF_WESEN BEI MEINEM BAUM_II_05.122

dass ich hier neue urwaldwesen finde, überrascht mich. hier war ich schon sehr oft und verfalle immer wieder dem großen irrtum, dass ich schon alles gesehen und vor allem fotografiert habe – auch so registriert in meinem kopf. der reif zaubert neue wesen, verwandelt die schon früher gefundenen. finden ist heute nicht so schwer – sie hocken mir vor meinen füßen. ich begrüße sie, berühre sie, wo sie erreichbar sind. eines hockt ganz oben im baum…

URWALD OHNE RAUREIF_ERLENBLÄTTER_05.121die ERLEN vergaß ich zu erwähnen. sie werfen ihre blätter schon ab, wenn sie noch fast ganz grün sind und heute strömen sie, trotz rauhreif und kälte, einen betörenden duft aus. tief atme ich ein, sie versorgen die ganze gegend damit. hier gibt es viele erlen.

URWALD_MEIN BAUM_MIT RAUREIF_P1600136
mein baum zeigt sich mir herausgeputzt. ihm scheints gut zu gehn, er strotzt vor kraft und freude. vielleicht ist er auch überrascht über mein kommen, und ich freue mich über unsere begegnung. wenn es ein weihnachten gibt – dann so…

RAUREIFFLÜSTERN…

RAUREIFFELD BEI VELLMAR_III_P1600066im urwald nachschaun, was der raureif dort zaubert. so weit kommt es nicht. gleich hinter vellmar links und rechts felder mit bäumen und alle wie mit puderzucker überstreut.
mein auto lenke ich in einen feldweg und beschließe, mich hier erst einmal umzuschaun.
RAUREIFFELD_VELLMAR_V_04.121 RAUREIFFELD_VELLMAR_VI_04.122zauberhaft und mit jedem schritt schöner. überraschung an überraschung. so ununterbrochen und durchgehend der raureif wie zuckerbäckerei und fast ein bißchen kitschig. jedes bild ein treffer, jedes foto ein hochgenuß.

RAUREIFFELD_VELLMAR_VII_04.123RAUREIFFELD_VELLMAR_IV_04.12der mistelbaum trifft in mein herz. so kugelig, so zusammengerutscht, jede mistel ein eigenes gebilde und doch insgesamt ein ganzes, ein rauhreifkunstwerk und gegen den strahlehimmel ausnehmend perfekt in szene gesetzt.
RAUREIFFELD_VELLMAR_IX_04.124 RAUREIFFELD_VELLMAR_X_04.125aber die überraschungen liegen vor mir, wenn ich nur gehe. erst erregt er meine aufmerksamkeit, obwohl er noch weiter weg ist, der besondere baum. ich zoome ihn heran und er bleibt einfach nur ein baum, der mir ins auge fällt. ich bin von ihm durch einen graben getrennt. und als es dann die möglichkeit gibt, zu ihm hinzugelangen, ist die überraschung groß. das, was mir  an dem stamm so eindruckvoll schien, ist ein herabhängender dicker baumstamm. der baum, wohl mehrstämmig, war einfach umgeknickt und aufgerissen und es sah aus, wie eine große blutige wunde. kopfüber hing er nun fest und baumelte in der luft. er berührte fast die erde, deshalb sah es von weitem aus wie ein farbiger stamm.

RAUREIFFELD_FELDWESEN_P1600076nicht nur der stamm war es, der mich überraschte, sondern ich bekam außerdem noch ein weiteres geschenk. im urwald sammele ich urwaldwesen für mein buch. und hier war ein wesen – also kein wald-, sondern ein feld- oder wiesenwesen, das mir in die augen schaute und ich ihm. freudig begrüßten wir uns und, nasowas, ich darf es fotografieren und in meine sammlung nehmen. ich bedanke mich und beschließe, für heute schluß zu machen mit der fotografiererei, damit ich nicht noch mehr überraschungen erlebe. zu viele überraschungen verderben die freude, gut dosiert sind sie auszuhalten.
RAUREIF_FELD BEI VELLMAR_I_P1600028 RAUREIFFELD BEI VELLMAR_II_P1600063die sonne blendet, meine brille läuft an, und ich fotografiere fast blind und auf verdacht. bin dann überrascht, dass fast jedes stimmt.
es ist mühsames gehen über die gefrorenen holprigen felder. gern würde ich laufen, ja, wenn…
mit urwald wird nichts mehr – die energie ist verpufft. vielleicht gibts morgen noch eine möglichkeit. ich nehme mal an, dass der raureif bleibt bei den temperaturen…

DIE EISKÖNIGIN…

RAUREIF_BÄUME HOCH_III_29.112einen moment fühle ich mich so, als ich vom reinhardswald über die dörfer richtung heimat fahre, und mit eisgeschenken überhäuft werde. obwohl ich erschöpft bin vom waldwesenfang, lenke ich mein auto in einen waldweg. alles vereist, wie am vortag und ich so schlapp war, dass ich das nicht mehr schaffte.
also, eifrig überquerte ich einen graben, um die eisbaumreihe zu erreichen – und ehe ich mich versah, blieb ich im langen eisgras mit dem fuß hängen, fiel und machte eine rolle über die rechte schulter und lag rücklings unter einer eisbirke. ich war erschrocken und die birke lachte sich eins ins fäustchen. um mich von dem schreck zu erholen, blieb ich erstmal liegen und machte von der eisbirke ein zwei fotos.

RAUREIF_BÄUME_II_29.11 RAUREIF_BLÄTTER_I_29.111dann aber hochgerappelt und unbeirrt über die eiswiese zu meinen fotomotiven.
ich verschlang sie fast,  drückte und drückte auf den auslöser, getrieben von den herabfallenden eisstückchen, die am boden lagen, wie zerbröckelte pommes.

RAUREIF_ÄPDEL AM BODEN_III_29.113an einem apfelbaum kam ich zur ruhe. die restblätter bunt wie angemalt, die äpfel am und unter dem baum hart gefroren. zwei nahm ich mit und denke, so geschockt werden sie voller süße sein. auf einen bin ich getreten und wunderte mich, dass er wie frischer apfelbrei roch.
ein bißchen gras, ein bißchen bäume, ein bißchen acker – und nun muß es gut sein.
ich lobe mich, daß ich mich noch aufrappeln konnte, und durch den sturz bleibt die ganze eisaktion für immer im gedächtnis.