UNSICHTBARES SEIN…

UNSICHTBARES SEIN

dieses unsichtbare sein, das wir tod nennen – macht es uns nicht deshalb angst, weil es sich unseren vorstellungen entzieht, weil unsere vorstellungen nicht ausreichen für eine ewigkeit, in die wir einzugehen hoffen? und geht unsere sehnen nicht trotz unserer ängste dahin, endlich eins zu werden mit dem weltall, mit einer weltenseele, die wir annehmen, und der sich alles erschliesst und unserem nichtwissen ein ende bereitet?
diesem unsichtbaren sein, dessen wesen unzerstörbar und unvergänglich ist, gehörten wir ihm nicht zu von anbeginn, bevor wir in diese welt hineigeboren wurden – und also auch über diese kleine zeitspanne unseres lebens hinaus?
wir vertrauen der ewigen bewegung der sternengebilde, die uns den fortbestand der ewigkeit garantieren. wir lassen horoskope erstellen und lesen aus den konstellationen der himmelsbilder, welche voraussetzungen für unser leben – das vergangene und das zukünftige auf dieser welt – gegeben sind. es entzieht sich uns also nicht nur die vorstellung von einem zukünftigem, sondern auch von unserem jetzigen leben. die frage, woher wir kommen, zieht die frage nach sich, wer wir sind. nur in teilen können wir es erfassen, und auch nur dann, wenn wir uns diesem prozess bewusst werden, der das ganze leben durchzieht. bewusste menschen werden wir durch die verwandlung von lebensprozessen in bewusstseinsinhalte. dieses ständige verwandeln, das wir leben nennen, ist der sinn unseres sterbens. lebens- oder todesprozess – alles ist einunddasselbe, alles ist eins. wir gehören ihm an – diesem grossen einen – ob wir leben oder sterben. der tod erst lässt aus dem vergänglichen sein der seele das bewusstsein vom ewigen hervorgehen. ‚leben und tod ist in unserem leben ebenso wie in unserem sterben‘. (heraklit)
mehr menschen als wir ahnen haben mindestens eine so grosse angst vor dem leben wie vor dem tod. die uneinsichtigkeit, die unmöglichkeit, es in unserem sinne zu lenken und zu beeinflussen, bestimmt ihre vorstellungen und vorahnungen. in dem lebensraum und der lebenszeit, in dem sich sichtbares mit unsichtbarem vermischen, liegen alle möglichkeiten und unmöglichkeiten eines menschenlebens verborgen. zweifel haben darin ebensoviel platz wie hoffnungen, demzufolge wir weder tot noch lebendig sind. worte, wie tod und zeit und ewigkeit sind nur versuche zu erklären, wo wir uns befinden – hier wie dort – sind oft ungenügende verständigungsmöglichkeiten und den individuellen vorstellungen eines jeden unterlegen. so fühlen wir uns allein – auch ganz zuletzt und von hier aus gesehen. vielleicht ist das unsere todesangst, zu erkennen – zu erkennen, dass wir – bis zuende gedacht – allein sind, und in allem – im leben wie im tod. aus diesem grund suchen wir die gesellschaft von menschen – im grossen wie im kleinen. tief in unserer natur sind wir gruppenmenschen, um diesem leiden an der einsamkeit zu entkommen. wir könnten nicht leben ohne die anderen und ohne sie wäre ein erkennen nicht möglich. in jedem menschen, in all meinem tun, kann ich mich erkennen, spiegelt sich, wer ich bin.
dann werde ich fallen in ein grosses ganzes, aus dem ich hervorgegangen bin, in dem alles schwingt und alles in sich doppelt ist, wo sich die bewegungen von geburt und tod immer wieder neu vollziehen. unangetastet wird sie bleiben – unsere seele, aufgehoben in der grösse und weite der weltenseele.

rosadora
13.03.2000

T E I L H A B E N . . .

ein  a l t e r   text – ob texte je „alt“ werden können…

mich sprang er heute morgen an und ich fand ihn  t r e f f e n d  und ins heute      passend  ….

 

mit neuen gedanken
alt werden

jung bleiben
an uralten gedanken

teilhaben
am unsterbllichen leben
unsterblichen sterben

rose ausländer

‚neue gedanken’ – das ist einfacher gesagt als getan. woher die ‚neuen gedanken’ nehmen?
die bemühungen , von ‚alten gedanken’ abstand zu nehmen, haben nicht den gewünschten erfolg. die verknüpfungen gehen zu oft rückwärts, krallen sich fest, wiederholen alte muster.
manchmal wage ich eine neue skizze, komme vielleicht auch noch bis zum entwurf und dann webt es und webt es in alter weise und ich kann es nicht aufhalten. noch so ein teppich. hatten wir doch schon mal. die kleinen nuancen, in denen er abweicht vom bisherigen, fallen nicht wirklich auf. das ausrollen macht nicht im geringsten freude, das betreten erhebt nicht vom boden. es hält mich auf gewohnter ebene.
doch dann kommt ein trupp, eine horde, eine menge wirklich interessierter menschen, bringt überlegungen und ideen. sie verändern die richtung. meine gedanken hüpfen vor freude, lassen sich inspirieren und mitreissen in ungewohnter weise. ich wage die geschwungene linie, knüpfe und webe, ohne das ende zu kennen. es bewegt sich voran und ich mich mit ihm. das gewebe überrascht und fasziniert.
an diesem tag wünsche ich mir nicht noch mehr ‚neue gedanken’. alt werden – so könnte es gehen.

‚uralte gedanken’, als bestandteil der menschheitsgeschichte, transzendieren werte, die ich aufspüren möchte. sie geben ‚neuen gedanken’ wesentliche strukturen.
an den anfang, den beginn, anzuknüpfen, lässt mich jung werden in dem glauben, ich könnte auch noch einmal von vorne beginnen – von vorne beginnen mit meinen gedanken, ganz neu, ganz anders. oder bringen wir die ‚uralten gedanken’ mit in die welt, wenn wir geboren werden und können uns nur nicht erinnern?
da kommen mir die begriffe ‚jung’ und ‚alt’ durcheinander. vielleicht sind wir älter, wenn wir aus der geburtshöhle herausfallen, als wir denken. vielleicht sind wir jünger, als wir denken, wenn sich das tor hinter uns wieder schliesst.

eines ist uns sicher – die ‚teilhabe’. jeden tag leben wir, jeden tag sterben wir, wenn uns auch der gedanke ans ‚teilhaben’ glauben macht, es wäre ausschliesslich das leben, das uns bewegt, uns unser eigenes muster weben lehrt. aber wie ein teppich nicht erst beim weben beginnt und mit dem darüberschreiten endet, beginnt auch unser leben nicht erst mit der geburt und endet nicht mit dem tod. ‚teilhabe’ – das ist etwas allumfassendes, etwas ganzes – vielleicht auch etwas heiles? die ‚teilhabe’ ist uns erst gesichert, wenn wir ihr uns ganz verknüpfen. ein stück torte ist noch nicht die torte, und die torte ist noch nicht das ganze. sie beginnt schon früher und endet später, als unser bewusstsein es wahrnehmen kann.
ob wir leben oder sterben – nichts fällt heraus aus dem grossen sternenzelt.

rosadora
2006

 

ETEL ADNAN – HUNDERT JAHRE UND NOCH VIEL MEHR…

„Der Preis der Liebe, den wir nicht zahlen wollen“

am 24. februar wäre etel adnan einhundert geworden. nie habe ich gedacht dass sie das nicht mehr erleben würde. so viel elan – so viel inspiration – so viel geist und seele. gar nicht aufzählen kann ich mit was allem sie sich beschäftigte und gesegnet war. doch dass alles mit allem verbunden ist, dass sie mit tieren und bäumen und allen dingen sprach – weil alles beseelt ist – und ihre realität aus nacht gemacht war – wie sie sagt – weil die nacht fragen aufgibt und sie für sie kein nichts war – die nacht war für sie schön – und sonne und mond mit dem so grundverschiedenen licht.

die seele ist ein eigenes wesen – sie schrieb ein ganzes buch darüber in GESPRÄCHE MIT MEINER SEELE – das kann ich gut nachvollziehn, das bild gefällt mir…

die d12 machte sie weltberühmt über ihren tod hinaus – mit der ausstellung im          WHITE CUBE mit DAS SCHÖNE LICHT – 22.januar – 1. märz 2025 wird ihr gedacht.

 

K O M P O S T L O C H -WINTERLICH II…

SENFHÜGEL – IM WERKHOF…

meinen ackersenfhügel  – der vom kompostloch in den werkhof transportiert wurde – besuche ich immer wieder einmal. für mich ist er immer noch teil des kompostloches (untilled d13 pierrre huighe) also dem kompostlochprozess zugehörig.

erde – diese allesumfassende hält mich in bann. erde – aus der ich komme – zu der ich gehe – wie könnte sie mir gleichgültig sein.

hier im werkhof nimmt sie immer wieder andere gestalt an – teils beeinflusst doch grösseren teils aus ureigener kraft. natur eben…

K O M P O S T L O C H – WINTERLICH… I

die vergangenheit vergeht nicht – sie verändert sich nur
wenn ich von der nordseite dieses kompostloch betrete
mutet es mich an wie zur zeit des „untilled“ von pierre huighe
bei der d 13 und das ist immerhin gleich 13 jahre her
die natur gestaltet alles immer wieder neu
das macht es mir interessant und neugierig beobachte ich
was ihr da so alles einfällt
ihre ideen sind unermesslich vielfältig
aus einem baumklotz einen stierkopf zu gestalten
dazu braucht es schon schöpferische fantasie

K R A N I C H E ÜBER KASSEL…

K R A N I C H E – SIE BRINGEN DEN FRÜHLING ZURÜCK

glücksvögel weil in der botschaft dass der frühling kommt
soviel glück mitschwingt
kraniche sind die verlässlichsten vögel die ich kenne

ihre ahnungen gehen weit über die der menschen hinaus
sie sind unbeirrbar – durch diese nasse kälte hindurch
haben sie das frühlingsempfinden
sie würden den flug nicht wagen wenn es anders wäre
nie haben sie mich enttäuscht – und das sind nun schon
ganz schön viele jahre – mein vertrauen ist groß

GUNTER D E M N I G – STOLPERSTEINE…

„S T O L P E R S T E I N E “ i

F I L M  bei arte 27.01.2025 dokumentation
darum geht es  „GEGEN DAS VERGESSEN“
https://www.arte.tv/de/videos/120450-000-A/stolpersteine-gegen-das-vergessen/

wiederholung:
online in der mediathek und im TV

GUNTERS WERDEGANG

1980 DUFTMARKEN CASSEL-PARIS
1981 –BLUTSPUR KASSEL-LONDON–
1982 ARIADNE-FADEN KASSEL-VENEDIG
1982 FLASCHENPOST KASSEL – NEW YORK
1984 LANDSCHAFTSKONSERVEN
1988 EINREISE ENTRY ENTRÉE VJEZD BERLIN/W
2000 STOLPERSTEINE

MAN STOLPERT NICHT MIT DEN FÜSSEN
MAN STOLPERT MIT DEM HERZEN

so sagte einst ein kind als es beim verlegen der steine
von gunter zugegen war

nach nunmehr 25 jahren weltweit mit 94.000 steinen
ist da nichts mehr hinzuzufügen was die bedeutung dieser
NICHTVERGESSEN AKTION übertreffen könnte

DANKE GUNTER –
MEIN HERZ STOLPERT MIT JEDEM STEIN
MEINE BEWUNDERUNG

aus seinem blog:
…STOLPERSTEINEN. Was 1992 mit dem ersten Stein,
einem Auszug aus dem sogenannten Himmlerbefehl, begonnen hatte,
geht über die ersten individuellen Steine in Berlin 1996 bis heute ungebrochen weiter.
Seitdem reist er durch ganz Europa und verlegt fast täglich immer noch den Großteil
der mittlerweile 94.000 Steine selbst.

ICH KANNS NICHT LASSEN… brief an pierre huighe

hallo pierre

ich kanns nicht lassen
ich kanns nicht fassen

hier luminal – dort untilled
wo ist der unterschied

und was verbindet mich
mit dir und all dem

mensch und nichtmensch
kompostloch – nichtmensch – natur
rosadora – mensch – fiktion

herkunft – gegenwart – zukunft
zukunft – gegenwärtiges – vergangenheit

tag – nacht –
helles dunkel – dunkles hell

definition – keine
bedeutung – umsomehr

und meine-deine neuentstandenen bilder im mac
haben sie eine bedeutung – werden sie je eine haben

es grüsst dich von herzen
r o s a d o r a

 
fotomontagen rosadora (fotos pierre huighe)
aus hell – dunkel – luminal pierre huighe

b e h u t s a m. . .

b e h u t s a m

s e i n   l i e b s t e s  W o r t

d u r c h   d e n   T a g

t r a g e n

Elsbeth Maag /2025 schweiz

wie behutsam kann ein wort sein
dass man es durch den tag tragen kann

b e h u t s a m
ich lasse es  l a n g s a m  auf der zunge zergehn
und es wird mir zum  s a m e n
zum  w o r t s a m e n

danke elsbeth für deine einfühlung
rosadora

ANNA ELISABETH – einhundertsieben jahre…

…wäre sie heute geworden

das hätte sie auch gut durchstehn können – ja wenn…

107 – E I N H U N D E R T S I E B E N
ANNA ELISABETH
MEINE MUTTER

meine mutter ist gestorben – vor 18 jahren – aber sie ist doch nicht tot.
sie lebt mit mir – jeden tag ist sie in meinem leben – ich bin 87 –
jeden tag erwähne ich gern, welche guten eigenschaften ich von ihr übernehmen konnte
und immer wieder kann. ICH KANN DAS ist das wichtigste, das sie mir übereignet hat
und es hilft mir bei allen schwierigen situationen.
ICH KANN DAS – ist mein erbe und ich bin sooo dankbar.

heute wird sie 107 jahre – wir feiern es still und leise – aber gemeinsam.
und singen, ja, das werden wir auch. singend hat sie sich aus dem leben begeben.
danke – deine rosadora